Seabiscuit – ein Rennpferd mit dem Willen zum Erfolg

Lesen Sie hier die Geschichte eines legendären Rennpferdes:

Seabiscuit (*23. Mai 1933 in Lexington, Kentucky; gestorben 17. Mai 1947 in Willits, Kalifornien) war ein US- amerikanisches Vollblut-Rennpferd. Der Hengst, dessen Rennkarriere nicht sehr vielversprechend begann, wurde zum erfolgreichsten Rennpferd seiner Zeit, das eine Reihe von Rennen mit spektakulären Rennverläufen lief und vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise zu einem Symbol der Hoffnung für viele Amerikaner wurde. Seabiscuit stammte von der Stute Swing on und dem Hengst Hard Track ab. Dieser wiederum war ein Sohn des berühmten Rennpferdes Man O´War. Das Hengstfohlen wuchs auf der Claiborne Farm in Paris, Kentucky auf. Wenig deutete darauf hin, dass es sich für ein erfolgreiches Rennpferd eignete; für ein englisches Vollblut war es verhältnismäßig klein, die Knie waren nicht ideal aufgebaut, es neigte zu langen Schlaf- und Fressphasen.

Charles Howard stellte als Trainer Tom Smith ein, der dem lethargischen Charakter des Pferdes mit unorthodoxen Trainingsmethoden begegnete. Tom Smith fand außerdem in dem kanadischen Jockey Red Polland (1909 bis 1981) einen Bereiter für dieses Pferd, der gut mit dessen Charakter umgehen konnte. Am 22. August 1936 lief Seabiscuit das erste Rennen für seinen neuen Besitzer. Im November 1936 wurde Seabiscuit mit dem Zug nach Kalifornien transportiert.

Seine letzten zwei Rennen des Jahres 1936 fanden auf dem Bay Meadows Racetrack in San Francisco statt. Beide von Seabiscuit gewonnen Rennen zeigten, welches Potential in diesem Hengst steckte. Das mit dem Preisgeld von $2.700 USD ausgestattete Bay Bridge Handicap ging lediglich über eine Meile. Seabiscuit hatte in diesem Rennen einen schlechten Start; er lag hinter dem Feld, als er aus der Startbox kam, aber er arbeitete sich auf der kurzen Strecke durch das Feld seiner Konkurrenten hindurch, siegte mit einem Vorsprung von fünf Längen und verpasste den Rekord für diese Rennstrecke um lediglich 0,4 Sekunden. Diese Form des Rennverlaufs sollte Seabiscuits Rennen der nächsten Jahre kennzeichnen und machte ihn zu einem Liebling der amerikanischen Öffentlichkeit. Die Presse bezeichnete ihn als Pferd mit Kämpferherz, das sich auch noch aus einer ausweglosen Situation nach vorne kämpfte.

Und Seabiscuit wurde immer mehr zum Favoriten des kalifornischen Rennpublikums. Er gewann seine nächsten drei Rennen im Westen und Howard entschloss sich, das Pferd in den Osten der USA bringen zu lassen, wo die wichtigsten US-amerikanischen Pferderennen ausgetragen wurden. Auch dort hielt Seabiscuits Siegesserie an. Zwischen dem 26. Juni 1937 und dem 7. August 1937 startete er in fünf Rennen und gewann jedes davon. Mit dieser Erfolgsserie war Seabiscuit das Rennpferd, das die meisten Preisgelder in den USA gewonnen hatte.

An der Westküste war das unscheinbare Pferd, das die Siegesehrungen lethargisch über sich ergehen ließ, mittlerweile eine Berühmtheit. Seine Rennen wurden mit nahezu fanatischer Begeisterung am Radio verfolgt; seine Erfolge füllten die Wochenberichte der Kinos und Tausende von Zeitungszeilen beschäftigten sich mit diesem Pferd, das einen so wenig erfolgsversprechenden Start hatte, das von einem bis dahin unbekannten Trainer trainiert wurde und dessen Besitzer ein Emporkömmling war, der vor wenigen Jahren noch Fahrräder reparierte. Das Establishment des Pferdesports war in den Oststaaten der USA angesiedelt und reagierte deutlich zurückhaltender auf Seabiscuit.

Trotz der Erfolge von Seabiscuit wurde der dreijährige War Admiral zum „Rennpferd des Jahres“ gewählt, da dieses Pferd die wichtigsten Ostküstenrennen gewonnen hatte. Der Konkurrenzkampf zwischen Seabiscuit und War Admiral sollte auch das Jahr 1938 prägen. Schon während des Jahres 1937 hatte die Presse über das Rennen zwischen Seabiscuit und dem scheinbar unbesiegbaren War Admiral spekuliert.

Das „Rennen des Jahrhunderts” 

Am Dienstag, dem 1. November 1938 kam es endlich zu der Begegnung zwischen den zwei Rennpferden in dem Rennen, das man euphorisch das „Rennen des Jahrhunderts“ nannte. Das Rennen, das über eine Meile und 3/16 gehen sollte, zählt auch heute noch zu den größten Sportereignissen in der Geschichte der USA. Obwohl es ein Werktag war, versammelte sich eine für die damalige Zeit ungewöhnlich hohe Zahl von 40.000 Zuschauern an der Rennbahn. So viele Menschen wollten diesem Rennereignis beiwohnen, dass man sogar das Innenfeld für Zuschauer öffnen musste. Züge hatten die Zuschauer aus dem ganzen Land zur Pimlico-Rennbahn in der Nähe von Baltimore, Maryland gebracht und 40 Millionen Menschen verfolgten das Rennen am Radio. War Admiral war der unbestrittene Favorit des Rennens; die Wettquoten bei den meisten Buchmachern stand 1 zu 4 für ihn und auch die meisten Sportjournalisten waren sich über den Ausgang dieses Rennens einig.

Als am 1. November die Startglocke losschrillte, startete Seabiscuit mit einer solchen Geschwindigkeit, dass er bereits nach 20 Sekunden eine Länge vor War Admiral lag. Diesen Abstand konnte Seabiscuit über den größten Teil der Rennstrecke halten, auf der Rückgeraden jedoch begann War Admiral den Abstand aufzuholen und mit Seabiscuit gleich zu ziehen. George Woolf trieb Seabiscuit nicht sofort an, sondern ließ Seabiscuit das gegnerische Pferd erst neben sich wahrnehmen. Als er ihm dann die Zügel freigab, besaß Seabiscuit noch ausreichend Kraft, um seine Renngeschwindigkeit noch einmal zu steigern. War Admiral konnte nicht mithalten; als Seabiscuit die Ziellinie überquerte, lag er um vier Längen vor seinem Gegner.Am 10. April 1940 wurde offiziell bekannt gegeben, dass Seabiscuit keine weiteren Rennen mehr laufen werde. Als Zuchthengst kehrte er auf die Ridgewood Ranch von Howard zurück.

Er verließ den Turf als das erfolgreichste Rennpferd seiner Zeit.